Der mops-block bietet Gelesenes, Gehörtes, Gesehenes aus Orten, an denen mit Recht oder vom Recht gehandelt wird: Universität, Theater, Akademie, Kino, Literatur, Gericht, Verwaltung, Presse, Parlament etc.
Notiert wird das Flüchtige am Rechts-Geschäft, Flurgeflüster, Kantinengespräche, Marginales, Banales, Nichtgrundsätzliches, Ein- und Zugefallenes - Tagebuch und Meinung der Blocker und ihrer Gäste.

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Im Sommer 2011 bat mich Johannes Rux, Programmleiter bei Nomos, um einen Rezensionsaufsatz zu dem posthum erschienenen Buch von Cornelia Vismann („Medien der Rechtsprechung“). Ich willigte ein, nicht ohne Bedenken, denn Cornelia hatte ich gemocht und nach Kräften unterstützt, auch wenn mich ihr Vorhaben nicht begeisterte; und jetzt war sie tot – schlechte Voraussetzungen für eine nüchterne Besprechung. Ich las ihren Text und versuchte mir mit Hilfe eines Seminars im Wintersemester 2011/12 eine solide Grundlage für eine Würdigung zu schaffen. Das misslang völlig.




Die medizinischen Ratingagenturen haben meine Aussichten auf triple A hochgestuft. Die Märkte haben sich beruhigt. Bevor sie wieder unruhig werden, schließe ich die Rekonvaleszenz und wirtschafte wieder wettbewerbsfähig.
Das Lesen, das habe ich schon notiert, fällt den Rekonvaleszenten nicht so leicht, wie die Gesunden meinen. Vor allem dem Rekonvaleszenten DS, was er zwar unumwunden zugibt – aber nicht jeder fragt ihn. Liebenswürdig und unverdrossen schicken Freunde, Kollegen, Bekannte und Unbekannte ihre Büchlein und Bücher. Er betrachtet sie – wie eh und je mit Freude und Respekt – versucht sich ein Bild vom Inhalt zu machen, findet sie interessant (welcher mit Verstand und Leidenschaft geschriebene Text ist am Ende nicht irgendwo für jeden interessant?), denkt: das muss ich lesen, danach werde ich mich bedanken – und weiß doch schon (oder ahnt zumindest, will es aber nicht eingestehen), daß er überhaupt nicht in der Lage sein wird, das schöne Geschenk zu studieren.


 Einer Anregung von Rainer Kiesow folgend, habe ich mich der Gutachtentransparenz befleißigt, und mein Erstgutachten an dieser Stelle publik gemacht (Julia Küppers I).Christoph Paulus hat sich angeschlossen und mir seinen Text überlassen (Julia Küppers II). Jetzt hat das Verfahren stattgefunden. Die Prüfungskommission (Marxen, Paulus, Simon) zeigte sich nicht so sehr von den Thesen der Verfasserin überzeugt als von der Radikalität ihrer Neugierde und ihrer kritischen Leidenschaft, Eigenschaften, die nach Meinung der Kommission Ausdruck und Garanten einer zutiefst wissenschaftlichen Haltung sind. Da genau danach aber gefragt werden sollte und die temperamentvolle Diskussion im Anschluss an den Vortrag die Vor-Urteile bestätigte, trug die Kommission keine Bedenken, die Kandidatin umstandslos mit höchstem Lob zu entlassen. Hier folgt, zum guten Ende der Geschichte, die Verteidigungsrede, die vielleicht den einen oder anderen zum Disput mit der Autorin anregen wird.