Am Wochenende in der Villa Vigoni am Comer See. Alte Villa vom alten Mylius, einem Frankfurter Bankier. Ist schon lange her. Die Familie war mit Familie Goethe befreundet. Die Aussicht aus dem Zimmer ist fabelhaft. Blick über den Mylius-Vigoni-Garten auf den See, auf die Halbinsel Bellagio. Das Licht ist wie gemalt. Ein satter roter Eclat auf honiggelbem Hintergrund. Für trilaterale Forschungskonferenzen in den Geisteswissenschaften, finanziert von Frankreich, Italien, Deutschland, gibt es kaum einen besseren Ort.

Warum diese Vigoni-Fokos evaluiert werden sollen, ist mir ein Rätsel. Man braucht doch nur rauszugucken, und die Bewertung steht fest. Die Objektivität und Qualität der Wissenschaft kann an einer solchen Landschaft, an einer solchen Perspektive, an einem solchen Setting, nur zerschellen. Im übrigen ist es wie meist. Die Italiener haben kein Geld mehr, die Franzosen haben noch etwas, die Deutschen zahlen das meiste. Vive la DFG! In der Evaluationssitzung immer wieder die selben alten, ewigen Fragen der kleinen und großen Wissenschaftspolitik. Europa? Sprachen? Exzellenz? Ziele? Und natürlich: Ergebnisse? Was sollen das nur für welche sein? Etwa beim Kanonischen Recht in europäischer Perspektive, einem der Foko-themen der Vergangenheit? Zeitgleich zur Evaluationssitzung findet eine dieser Forschungskonferenzen statt, Populismus und Faschismus. Italiener, Franzosen, Deutsche, nicht immer originär, was schon die Frage aufwirft, wer hier eigentlich als Deutscher, Franzose, Italiener zählt. Egal. Sehr nette, zum Teil ziemlich bekannte Leute. In der Nacht langes Gespräch über Recht, Cornelia Vismann und Friedrich Kittler. Kittlers Auftritt – wie der alte Schelling im weißen übergroßen Kragen – bei der Trauerlesung im Wissenschaftskolleg. Ein Zeuge war in der Villa in dieser Nacht. Es muß in Berlin gewaltig nach Wahnwitz gerochen haben. Sei’s drum. Cornelia ist tot. Sie wurde eben verehrt, auch von einigen am letzten Wochenende. Recht und Körper – auch so ein Thema für die Geisterstunde. Lustig war’s, auch wenn es ordentlich geblubbert hat.