Dietmar Dath ist nicht unbekannt. Kommunist, Dichter, Feuilletonist (bei der FAZ). Gestern hat er auf Seite 1 des Feuilletons eine Frankfurter Ausstellung besprochen, die hier nicht weiter von Interesse ist. Bemerkenswert ist ein bestimmter Duktus, Stil, eine bestimmte Rede-, Schreibweise,

die man im akademisch-intellektuell affizierten Denkraum nicht selten antrifft. Es ist dies eine theoretische oder besser theorietoide Brabbelei, gegen die das Blubbern der Postmoderne insofern sympathisch wirkt, als diese gerade keine Wahrheiten postuliert (hat). Die brabbelnde Theoretisiererei hingegen hat einen normativ-substanziellen, paradoxerweise nachgerade materiell-materialistischen Anstrich. Wer nicht kapiert ist dumm. Und zwar in echt. Deswegen die häufige, ganz unironische Verwendung von „bekanntlich“. Dietmar Dath also hat gestern ein Lehrbuchbeispiel für diese Art der Rede, der Textverfertigung geliefert. Er schreibt: „Wenn Kinder Action-Filme nachspielen, die sie gesehen haben, versuchen sie bekanntlich, ihren subjektiven Alltag mit etwas allen Zugänglichen, nämlich der sozialen Objektivität des kulturindustriellen Bilderstroms, aufzuladen, um das einengend Subjektive affektiv zu überschreiten“. Es ist keineswegs so, daß der kluge Kopf hinter der FAZ diesen Satz etwa nicht begreifen könnte. Man muß sich nur ein wenig anstrengen, und das kann verlangt werden, vom klugen Kopf. Nur lohnt das Ergebnis der Anstrengung diese nicht. Es fängt schon mit dem ersten eingeschobenen Satz an: Können Kinder etwas nachspielen, das sie nicht gesehen haben? Das heißt: überflüssig. Und dann gleich im Anschluß: bekanntlich. Ich habe Kinder gefragt – die kennen das Bekannte nicht. Nun könnte es sein, daß sie, die Kinder, Objekte irgendwelcher dahingehender (also das Bekannte produziert habender) Forschungen sind – auf Nachfragen bei Pedoneurologen, Pedopsycholgen, Pedosoziologen konnte der Bekanntlichkeitsbefund DDs nicht wiederholt werden. Bekanntlich ist also gar nichts in diesem Zusammenhang. Das heißt nicht, daß es die Dathsche kindliche Überschreitungsaktion nicht gebe. Nur kann man das, ganz ohne bekanntliches Wörterverquirlen auch anders sagen, allerdings verliert es dann den Anstrich der Tiefdenkerei. Etwa so: Kinder bewegen sich gerne in Welten der Phantasie, und diese phantastischen Welten werden geschaffen, etwa von den Grimms, von Jules Verne, von Action-Filmen. Zum Beispiel. Das ist in der Tat bekannt. – Noch ein Wort zum Film, wieder von DD: „Geht man ins Kino, begegnet man dort gemeinhin einer Maschine, die einen mit bewegten Starschnitten und geisterhaften Nebenrollenschemen betört“. Das ist nun wirklich gemein! Denn das hab ich noch gar nicht bemerkt. Es lebe das gemeinhin Bekanntliche! Darauf einen Kurzen.

RMK