Der Jubel am Chemnitz Centre for Paralegal Phenomena war natürlich groß. Das Bundesverfassungsgericht hat genau so entschieden, wie es die institutseigenen Meßgeräte dem Sternenhimmel über Karlsruhe schon vor Monaten entnommen hatten: ein leises Ja, ein laues Aber. Mit einer Verschiebung des Urteils hatte deshalb in Chemnitz auch niemand ernsthaft gerechnet, dafür war die Sprache der Sterne zu eindeutig.

Selbst die konkrete Haftungssumme von 190.024.800.000 Euro hat in Chemnitz nicht für größere Überraschungen gesorgt. Ein Institutssprecher teilte mit, der Siemens Astroauthentifizierer habe aus der interstellaren Konstellation eine Summe von 193.753.950.000 Euro herausgelesen; da das Gerät aber im ESM-Verfahren erstmals zum Einsatz gekommen sei, habe man noch nicht gewagt, mit derart punktgenauen Prophezeiungen an die Öffentlichkeit zu treten. Das werde man in Zukunft anders halten.

Einen Seitenhieb auf das Bundesverfassungsgericht konnte man sich in Chemnitz denn auch nicht verkneifen. „Monatelange Sonderschichten und Urlaubskürzungen“, ließ der Sprecher des Centres wissen, müßten die Richter für ihre Urteile nicht mehr einplanen, das sei einfach „nicht mehr zeitgemäß“. Das dabei eingesparte Geld solle man lieber in verbesserte Astroauthentifizierer stecken. Sobald man hier ausreichend investiert habe, könne man den Sternen „prinzipiell auf ewig“ die richtigen Urteile entnehmen. Deutschland brauche daher eine „ganz neue Rechtskultur“, deren Einführung durchaus mit der Energiewende vergleichbar sei: Abkehr von den fossilen Entscheidungsträgern, hin zu regenerativen Urteilsdiensten.

Diese Schlußfolgerung erscheint in ihrer Radikalität wohl doch zu kühn. Den Subsumtionsautomaten wollen wahrscheinlich die Wenigsten dauerhaft durch eine Art Sterntaler ersetzt sehen. Aber zumindest bei europäischen Grundsatzurteilen könnte man durchaus daran denken.