Der mops-block bietet Gelesenes, Gehörtes, Gesehenes aus Orten, an denen mit Recht oder vom Recht gehandelt wird: Universität, Theater, Akademie, Kino, Literatur, Gericht, Verwaltung, Presse, Parlament etc.
Notiert wird das Flüchtige am Rechts-Geschäft, Flurgeflüster, Kantinengespräche, Marginales, Banales, Nichtgrundsätzliches, Ein- und Zugefallenes - Tagebuch und Meinung der Blocker und ihrer Gäste.

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Der Bildakt

(Ein Seminarprotokoll)

I.




14 genussvolle Lesestunden: Horst Bredekamp, Theorie des Bildakts (Suhrkamp 2010, 333 Seiten Text, mit Literatur und Namenregister 363 Seiten, viele Bilder, durchgängig viel zu klein als daß sie dem unbewaffneten Auge das zeigten, was der Autor in ihnen sah). Ein großartiges Buch. Vertieft zusammengewachsen aus den Früchten jahrelanger Studien. Strotzend vor immenser kunsthistorischer Kenntnis, stupender Überblick über die Geschichte der Philosophie, eindringliche Sprache, verwegene Rhetorik, gelegentlich trunken von Metaphern und Vergleichen („gleichsam“, „wie wenn“, „als ob“).

Der Vater meiner Mutter war Holzschuhmacher, Waldarbeiter und sammelte Alteisen. Ich durfte oder mußte (die Frage wurde nicht erörtert und ich war stets begeistert) bei allen seinen Verrichtungen zusehen. Wie er aus klobigen Klötzen mit festen und weichen Schlägen nach und nach einen Clog herausholte, wie er mit der Axt einer dicken Fichte zu Leibe rückte, wie er zwischen rostigen Rohren, Platten und Drähten herumstapfend und stochernd prüfend ein Stück heraussuchte und einem Interessenten vorlegte.

Frank Schirrmacher hat vor ziemlich genau einem Jahr für das Feuilleton der FAZ ein bemerkenswertes Interview geführt. Sein Gesprächspartner war Mohammed Waheed Hassan, hochrangiger Politiker der Malediven, und der Leser erfuhr – verblüfft und irgendwie gerührt – dass sich in dem kleinen südasiatischen Staat seit einiger Zeit schier Unglaubliches zutrug.

Die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften hat sich als Jahresthema "Wissenschaft trifft Kunst" ausgesucht. Meine Vermutung, daß in diesem Rahmen ein im Gorki-Theater interesselos gebliebener Vortrag über die Kleist-Erfahrungen, die man als Jurist machen kann, größeren Zuspruch finden werde, hat nicht getrogen. Hat mir außerdem die erste nahezu konfektionsfreie Einführung durch Günter Stock eingebracht. Das Publikum war entschieden freundlich, wollte keine "Aussprache" und hatte auch keine Parallelredner in seinen Reihen. Eine einzige  - vielleicht ironische, vielleicht verwirrte - Frage wurde vom Präsidenten mit nachdrücklichem Dank unterdrückt.

Mit nachträglich hinzugefügter Einleitung steht der Text hier.