Der mops-block bietet Gelesenes, Gehörtes, Gesehenes aus Orten, an denen mit Recht oder vom Recht gehandelt wird: Universität, Theater, Akademie, Kino, Literatur, Gericht, Verwaltung, Presse, Parlament etc.
Notiert wird das Flüchtige am Rechts-Geschäft, Flurgeflüster, Kantinengespräche, Marginales, Banales, Nichtgrundsätzliches, Ein- und Zugefallenes - Tagebuch und Meinung der Blocker und ihrer Gäste.

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In der Wissenschaft hat das Englische das Deutsche aufgefressen. Das ist nicht neu und auch keine Tragödie. Schließlich haben wir diesen Vorgang durch unsere Torheiten und Gemeinheiten im 20. Jahrhundert auf eifrigste befördert und auch endlich durchgesetzt. Im 19. Jahrhundert noch war die Wissenschaft eine weitgehend deutsche Angelegenheit.

Zu Philip Plickert:  Roger Köppel - Auf Angriff gebürstet (FAZ Nr. 18 vom 21./22.01.2012).

  Die FAZ hat es am letzten Wochenende unternommen, ihren Lesern einen Mann nahezubringen, von dem unterstellt werden darf, dass er bisher nicht im Zentrum des hiesigen Interesses stand: Eine volle Seite zierlichster Bewunderung für den „umstrittensten Journalisten der Schweiz“ Roger Köppel, und nicht wenig Werbewirksames für das von ihm verlegte und redigierte Blatt "Weltwoche". Nun ist nicht das mindeste dagegen einzuwenden, dass man hier etwas über die Medienlandschaft im Nachbarland erfährt, und "umstrittenste" Köpfe verdienen ohnehin unsere besondere Aufmerksamkeit. Schön wäre es allerdings gewesen, wenn sich das von FAZ-Wirtschaftsredakteur Philip Plickert (Jahrgang 1979) liebevoll gezeichnete Porträt auf eine einigermaßen sorgfältige eigene Recherche gestützt hätte. Auf diese hat der Autor jedoch offenbar verzichtet. Stattdessen wird exakt die Sichtweise übernommen, die Köppel selbst – wo immer sich eine Plattform bietet (penetrance for variance) – über Köppel und seine "Weltwoche" verbreitet. Dem Konsumenten Schweizer Medien ist sie sattsam vertraut. Dass nun aber auch der FAZ-Leser zum Adressaten dieser penetranten Selbststilisierung gemacht wird, ist das zweifelhafte Verdienst von Plickert, was immer ihn dabei geritten haben mag.

Freitagmorgen, Vortrag in der juristischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin. Dr. Ingo Venzke , LL.M. (London), zurzeit Amsterdam  und auch sonst weitgereist, stellt seine Dissertation vor. Sie ist natürlich in Englisch verfasst. Muß so sein heute, wenn man gelesen werden will. Und wer glaubt, etwas zu sagen zu haben, der will auch gelesen werden. Thema des Vortrags: "Über Wörter und Taten: Wie die Praxis der Interpretation das Völkerrecht schöpft". Der Titel verspricht nicht viel. Schließlich wird alles Recht, das das Buch verlässt, durch die Praxis der Interpretation  geschöpft. Warum sollte das beim Völkerrecht anders sein?

Drei volle Tage mit Julia Küppers. Genauer: mit ihrer Dissertation. Ein lustiges Buch. Begonnen als Versuch, in konventioneller Weise (Lesen, Materialsammeln, Quellen studieren, Konzipieren, Schreiben) über ein rechtshistorisches Thema (DDR-Bodenreform) einen Text zu fabrizieren. Unter der Hand dann zum (rechts-) geschichtstheoretischen Durchgang durch das Factum/Fictum-Elend der Historiographie geronnen. Verblüffend, was sie alles in relativ kurzer Zeit neben ihrer Arbeit alles gelesen (und verstanden) hat.